Ein bewegendes Dokument hat uns Frau Regina Hein überlassen.

Der Erste Weltkrieg endete vor 100 Jahren und wir nehmen das Datum zum Anlass, den Weihnachtsgruß zweier Mettmanner Pastoren von 1915 auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Weil vermutlich nicht mehr viele unserer Mitglieder die akkurate Sütterlinschrift lesen können, in der der Brief verfasst ist, haben wir uns entschlossen, hier auch eine Übertragung des Textes anzufügen.

Der mehr als hundert Jahre alte Brief ist an die Soldaten an der Front, in den Lazaretten oder in der Kriegsgefangenschaft gerichtet und wurde vermutlich im Weihnachtsgottesdienst verlesen.
Die beiden Pfarrer ahnten nicht, dass der schreckliche Krieg noch drei weitere Jahre dauern würde, mit zahllosen Opfern auf allen Seiten.

Der traurige Brief zeigt uns, wie dankbar wir sein müssen, in friedlicheren Zeiten zu leben.

 Gudrun Wolfertz und Anita Schäfer

Vorwort von Michael Schaffers

Wilhelm Wintgen war im zweiten Weltkrieg deutscher Soldat. In einem kleinen, unscheinbaren Heft hat er das Ende des zweiten Weltkrieges beschrieben, wie er es erlebte. Harte Fakten, aber auch seine Gedanken und Gefühle hat er in kleiner Schrift zu Papier gebracht.

Es ist eine abenteuerliche Geschichte, die dahinter steckt:

Wilhelm Wintgen senior, der Vater unseres Tagebuchschreibers war Löffelschleifer in Mettmann. Ende der zwanziger Jahre wurde er arbeitslos, wie so viele in diesen Jahren. Mit seiner Familie zog er in die Schweiz nach Schaffhausen. Auch dort arbeitete er in seinem Beruf. Sein Sohn mit gleichem Namen Wilhelm ging in der Schweiz zur Schule und machte auch dort seine Friseurlehre und später seine Meisterprüfung. Es gelang ihm, ein kleines Friseurgeschäft aufzubauen. Er lernte eine Schweizerin kennen, die beiden heirateten, ihr erstes Kind hieß Heidy. Sie ist heute die Witwe des kürzlich verstorbenen bekannten Mettmanners Hermann Schorn.

Bei Kriegsausbruch bekam er den Stellungsbefehl aus Deutschland, dem hätte er aus der neutralen Schweiz nicht Folge leisten müssen. Trotzdem kam er zurück in sein Heimatland, er glaubte, sonst sei Deutschland für ihn endgültig verloren, denn er liebte die alte Heimat seiner Familie. Seine Frau und Tochter Heidy gingen mit ihm zurück nach Mettmann, ( Sept. 1938).und zogen in das Haus von Schrotthändler Platte in der Elberfelder Strasse 63. 1939 wurde er zum Militär eingezogen. 1940 wurde Tochter Doris geboren, heute verheiratet mit Hubert Speck. Im Krieg war er bei den Funkern. Schon früh hatte er sich aktiv in Mettmann beim Roten Kreuz betätigt. Das half ihm nun im Krieg, er war nie in direkte Kämpfe verwickelt.

Wilhelm Wintgen junior schrieb dieses Tagebuch, da er befürchtete, nicht mehr nach Hause zu kommen.

Hubert Speck erinnert sich, sein Schwiegervater habe ihm einmal gesagt: " Ich sehe es als Dankeschön an, dass ich im Krieg keinen Schuss abgeben musste. Sicher ein Dankeschön, dass ich nach Deutschland zurück gekommen bin."

Tochter Doris Speck hat das Buch über das Kriegsende bis heute aufgehoben, nun soll es veröffentlicht werden, ein wichtiges Zeugnis, damit die damaligen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten.

Willy Wintgen hat nachdem er wieder in Mettmann war, ein Friseurgeschäft auf der der Elberfelder Strasse eröffnet, die Eheleute bekamen 1952 noch eine dritte Tochter Gaby, heute verheiratet mit Günther Blasberg; 1958 wurde ein zweiter Salon eröffnet auf der Bismarckstrasse 42, ( heute Coroneo) den die Töchter Heidy und Doris bis zu ihrer Verheiratung führten.

1970 musste er aus gesundheitlichen Gründen das Geschäft abgeben und war dann noch 10 Jahre bei G+F als Sanitäter beschäftigt. Im DRK war er bis zu seinem Tod aktiv. Er starb 1992 im Alter von 77 Jahren.

   
© Aule Mettmanner